Old Spice-Relaunch oder: Ab morgen riechen wir alle wie mein Opa!

Den Klassiker hatte Opa noch in der Hand: Old Spice aus der Flasche von 1938 ...

Nicht zu fassen. Schlag ich doch gestern ein Marketing Magazin auf (nein, ich lese eigentlich nicht, ich scanne durch Printmedien) und was finde ich auf Seite 6 unter der Rubrik «Aktuell«? Die neue Old Spice Kampagne, die überall für Furore sorgt. Ja, richtig gelesen: Old Spice, das Zeug, dass man sich zuerst in die Hand schüttet, bevor man sein Gesicht damit benetzt. Und der Duft, den mein Opa schon nutzte, um meine Oma zu provozieren, ohne dass er dazu aufstehen musste. (ok, dass ist der Claim eines anderen Duftes, aber im Grunde riecht der genauso streng).

Der Relaunch der Kampagne von Wieden & Kennedy  startete vor drei Monaten mit einem klassischen TV-Spot, einem eigens dafür ausgesuchten Protagonisten, der fortan als «Old Spice Man« in die Werbegeschichte eingehen wird (Isaiah Mustafa, den kannte vorher nur seine Mutter) und einer komplett integrierten Kampagne. Schon der Spot allein sorgte bei youtube für Aufsehen, wurde aber durch eine Mitte Juli diesen Jahres gestartete integrierte Social Media Kampagne in unglaubliche Höhen getrieben.

2010: Nicht schön, aber neu – so duscht Opa heute ...

Ein paar Zahlen? Kein Problem: Mehr als 90 Millionen (in Zahlen: 90.000.000!!) Videoabrufe zählt allein youtube, in Twitter hat Old Spice 96.477 Follower (wieso folgt mir eigentlich nur mein Hund?), und in Facebook «gefällt« 724.551 Personen (!!) alles das, was Old Spice tut, macht und anleiert. Auf einer zugegebenermaßen sehr anschaulichen Facebook-Seite, konnte man dem Old Spice Man direkt Fragen stellen, die er jedes Mal mit einem kleinen Video beantwortete. So entstanden innerhalb von nur 48 Stundenmehr als 170 Videos. Unfassbar. Und unfassbar clever.

Während Marketing-Strategen sich verwundert die Augen reiben und Marketingleiter ihre ab sofort unkreativen Agenturen anbrüllen, fragen wir uns doch mal, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Was macht diesen Relaunch so erfolgreich? Ganz einfach: Man hat bei der Agentur (und natürlich auch bei Procter & Gamble) offensichtlich verstanden, dass man vorbereitet sein muss, bevor man eine Social Media Kampagne diesen Ausmaßes lostritt. Dass es eben nicht reicht, einfach nur überall präsent zu sein. Sondern dass man damit rechnen muss, einen Demand zu kreieren, den man dann auch befriedigen muss. Und zwar schnell. Eine integrierte Kampagne ist ja nicht nur deshalb integriert, weil man alle Plattformen und Webseiten miteinander verlinkt. Auch inhaltlich muss das stimmig sein. Content is king, klar. Aber Interaktion ist Papst. Ohne funktioniert in Social Media gar nichts. Und das haben die wirklich so perfekt gemacht, dass man neidisch werden könnte. Verflixt.

Die Kampagne selbst zieht wirklich alle Register und erfuhr zudem noch externe Unterstützung. Und nicht zu knapp. Kaum ein Fernsehsender in den USA, der nicht über den Relaunch berichtete. Und das Beste ist, dass sie auch noch alle den Ur-Spot gleich mitpräsentiert haben – manchmal sogar zur Primetime. Da kann der Traffic natürlich nicht ausbleiben. Das macht man aber natürlich nur, wenn der Spot selbst kreativ ist. Und das ist er allemal. Deswegen hier nochmal zum geniessen:

»Ok«, werden jetzt einige sagen, »der Spot ist klasse, die Kampagne ist klasse, der Typ ist klasse, Social Media at it’s best, aber: Das Zeug stinkt doch immer noch so wie vor 50 Jahren.« Stimmt. Das Paradoxe ist natürlich, dass wir nicht wissen, ob sich der Abverkauf tatsächlich gesteigert hat oder nicht. Und obwohl ich sicher bin, dass einer von den 90 Millionen, die sich den Spot angesehen haben, auf die Idee gekommen ist, in Zukunft so zu riechen wie dieses Mitglied der afroafrikanischen US-Streitkräfte – darum soll es hier nicht gehen. Aber man kann an dieser Kampagne sehr schön sehen, was alles möglich ist, wenn man weiss, wie man eine Web 2.0 Kampagne aufsetzt. Und darum geht es.

Da fällt mir noch ein: Was ist eigentlich aus Hattric geworden? Wir erinnern uns an das Rasierwasser, das einem das Gesicht wegbrannte, wenn man sich nicht gerade mit einer Feder rasiert hat. Aus einer Zeit, als Werbung noch mitleidig Reklame genannt wurde.

Hattric erfrischt und entspannt die Haut. Mehr geht nicht!

Während Lichtgestalt Franz Beckenbauer dafür sorgte, dass nicht nur Kraft in den Teller, sondern auch Knorr auf den Tisch kam, pfiff sich «Uns Uwe« eins (Im Frühtau zu Berge), machte ein langes Gesicht ob der leeren Flasche in seiner Hand, um sich danach hocherfreut die ganze Ladung einer neuen Flasche ins Gesicht zu klatschen. Ich frage mich,ob damals eigentlich alle nach Uwe Seeler gerochen haben. Und was es braucht, um auch diesem betörenden Duft wieder neues Leben einzuhauchen.

Ich sach mal, mindestens drei Facebook-Kampagnen, sach ich mal …

Es grüßt

Kai-Michael Schmuck

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iPhone 4 Antennenproblem oder: Vati, so ist gut … nicht bewegen!!!

Das ist nicht die Antenne des neuen iPhone 4

Akrobaten auf dem Dach: Antennenprobleme sind nicht neu.

Was um alles in der Welt ist denn jetzt schon wieder los? Da bringt Apple seinen neuesten Smartphone-Burner auf den Markt, Menschen campen zum Verkaufsstart vor T-Punkt-Shops und Fans reissen sich die Klamotten vom Leib vor Begeisterung ob der Funktionsvielfalt des neuen iPhone 4 – und was machen die Medien? Sie zerreissen den Hersteller in der Luft, nur weil man mit dem Ding angeblich nicht telefonieren kann.

Alle stürzen sich dankbar auf «Antennagate« (google: 2,37 Mio Einträge), weil man jetzt endlich dem innovationsführenden Unternehmen in Sachen User Experience mal so richtig eins reinwürgen kann. Ha! Ein Telefon, mit dem man nicht telefonieren kann. Pfui!

Wie immer hat jeder Schlaumeier etwas beizutragen. Ganze Foren beschäftigen sich mit dem Thema und geben Tipps, wie man das neue iPhone am besten in der Hand halten muss, damit man wenigsten zwei zusammenhängende Sätze sagen kann, bevor die Unterhaltung abbricht. Begriffe wie der Todesgriff machen die Runde. Es gibt sogar Ideen, das iPhone einfach in einer Wunschfarbe anzumalen. Damit ist wahrscheinlich nicht das Empfangsproblem gelöst (man testet noch), aber wenn man schon nicht telefonieren kann, dann soll das Teil, das man sich ans Ohr hält, wenigstens schöner aussehen als vorher.

Uralter Fernseher Marke Philips Jahrgang 1958Egal. Fakt ist: Jeder redet drüber. Dabei ist das Antennenproblem gar nicht neu. Denken wir doch einmal gefühlte 80 Jahre zurück (für die jüngeren unter uns: Gegen 23 Uhr war Fernsehen aus und man döste für den Rest des Abends bei grauem Schneetreiben langsam in den Tiefschlaf). Bevor man sich die Schölermanns ansehen konnte, stieg Papa aufs Dach, um unter gebrüllten Anweisungen von Mama die Antenne in die richtige Position zu bringen, damit der Rest der Familie überhaupt was erkennen konnte auf dem Transistormonitor. Todesakrobatik anstatt Todesgriff. Und kein Mensch hat sich aufgeregt, ausser Papa, der während der Sendung auf dem Dach bleiben musste.

Die Frage, die sich mir stellt ist: Was macht Apple? Meine Antwort: Eigentlich alles richtig. Pressekonferenz von Steve Jobs persönlich; wir lieben unsere Kunden; Smartphones haben weak points, da kann man nichts machen; kostenlose Schutzhüllen, für alle; wer trotzdem nicht klarkommt, kann das iPhone zurückgeben und bekommt das Geld zurück – und zwar alles. Fantastisch.

So weit eigentlich alles gut. Apple lässt die Hosen runter. Warum funktioniert das trotzdem nicht? Ganz einfach: Um zu zeigen, das Antennagate kein Apple-eigenes Problem ist, präsentiert der Godfather des zufriedenen Kunden einige youtube Videos, die zeigen, dass das Problem auch bei  anderen Smartphones auftaucht, wenn man es wagt, damit zu telefonieren.

Schade. Dem sonst so cleveren Communicator unterläuft ein Fehler, den man eigentlich nicht erwarten durfte. Er versucht, das Problem abzuschwächen, indem er den Wettbewerb mit reinzieht. Das ist nicht nur dumm, sondern auch noch sehr ungeschickt, wenn man bedenkt, wozu die Pressekonferenz eigentlich gedacht war. Schnell reagieren, Schuld eingestehen, Lösung anbieten, die alle zufriedenstellt. Und damit hat sichs. Darauf fliegt der Kunde, darauf fliegt die Presse. Es folgen ein nette paar Berichte in den Medien – und alles ist wieder gut.

So war es sicherlich gedacht. Aber was passiert? HTC, Nokia & Co. sind empört und die negativen Berichte reissen nicht ab. Und warum nicht? Weil der Wettbewerb auch eine PR-Abteilung hat, Herr Jobs! Sofort wurden Reaktionen gestreut und in den Medien dankbar aufgenommen. Gummihüllen sind Mumpitz. Sogar Steve Jobs brillanter Einwand, dass nach Verkaufsstart des iPhone 4 sich lediglich 0,55% der Supportanfragen um das Thema «Ich kann nicht telefonieren, weil der Empfang immer abbricht« drehten, wird von einem Wettbewerber durch simple Arithmetik entkräftet. Bei denen kommen die Supportanfragen zum gleichen Thema nämlich nur auf die homöopathische Größe von 0,016%. Und das wären fünfmal weniger als bei Apple. Na bitte.

Also, was lernen wir daraus: Erstens, dass PR-Abteilungen offensichtlich gut rechnen können. Zweitens, wenn Du die Hosen runter lässt, dann bitte nur deine eigenen und nicht nur bis zu den Knien. Und drittens, dass man manchmal mit wirklich guten Argumenten lieber etwas sparsamer umgehen sollte, weil man sonst in einen Dialog kommt, den man eigentlich vermeiden wollte.

Am besten, Sie schreiben sich das gleich auf.

Beste Grüße

Kai-Michael Schmuck

Paul, der Oktopus – keine Ahnung, aber auf Spanien tippen!

Er hat es wieder getan: Paul, der  Krake aus Oberhausen, hat ein Deutschlandspiel der WM getippt. Diesmal gegen Spanien. Bisher hat der Gute ja immer richtig gelegen. (ok, nicht immer, beim EM-Finale gegen Spanien tippte er auf die deutsche Elf und lag, wie wir wissen, daneben.) Aber sei’s drum. Diesmal hat der Achtarmige Spanien als Sieger gesehen. Das bedeutet, dem Fachmann erzähl ich nichts neues, das Spanien ins Finale kommt. Gut, dann wissen wir das auch.

Mir fallen dazu drei Dinge ein.

1. Jetzt wissen wir, warum in Tipprunden immer die gewinnen, die so gar keine Ahnung vom Fussball haben. Denn wenn ein Mitglied der Teilgruppe der Achtarmigen Tintenfische (Vampyropoda) nahezu jedes Ergebnis richtig tippt, dann wundert es auch nicht mehr, dass die Apothekerswitwe aus Meerbusch, sonst eher mit Fingerfarben auf der Suche nach sich selbst, bei der Tipprunde einsam führt. Ahnung von etwas zu haben, ist eben doch eher Luxus.

2. Tierschutz? Hallo!?!? Wir haben Terre des hommes. Wir haben Ärzte gegen den Atomkrieg. Wer schreitet eigentlich ein, wenn ein paar Durchgeknallte einen armen Kraken mit Muschelfleisch dazu zwingen, Ergebnisse von Fussballspielen zu  raten? Noch dazu so hochsensible WM-Spiele. Wie das gegen Argentinien. Die reagierten denn ja auch gleich empört und setzten gleich die geballte argentinische Tierwelt auf Paul an. Delfin Sayko, Seehund Macky, Schildkröte Jorge, Papagei Paco und die Promenadenmischung Clarito. Macht 5:1 für Argentinien. Na, jedenfalls stimmte die Tordifferenz. Nur andersrum.

Und 3. So funktionieren Kampagnen. Offensichtlich muss man nur abgedreht genug sein. Das ganze Gewese um diesen Kraken Paul ist ein Paradebeispiel für Kommunikation und deshalb in aller Munde, weil hier zwei Dinge zusammenkommen: Aktualität (nämlich die Fussball-WM als Top-Thema des Sommers) zieht immer. Medien stürzen sich auf das Tier, als ob man das Sommerloch auf ewig zuschütten wollte und allein in Google kommen wir in 0,3 Sekunden auf 2,1 Mio. Einträge. Da wird selbst Knut Eisbär blass (105.000 Ergebnisse, 0,25 Sekunden) blass.

Und dann wäre da noch die Sehnsucht nach dem Absonderlichen. Mal ehrlich: Tintenfische tippen keine WM-Spiele, sondern werden gegessen – mit Knoblauch, Frühlingszwiebeln, 4 EL Olivenöl Wein (weiss), Essig (wenig), Salz und Zucker (hier das ganze Rezept). Wenn Jörg Schönenborn, Chef-Zähler der ARD, die Ergebnisse getippt hätte, kein Mensch hätte auch nur kurz aufgeblickt – und der Mann hat auch keine Ahnung von Fussball. Zumindest nehme ich das an. Aber ein Tintenfisch?!

Also, wer für Aufsehen sorgen will, mit was auch immer, sollte das beherzigen: schräge muss es sein und aktuell. Dann klappt es.

Das  nur mal als kleiner Hinweis mit den besten Grüßen von

Kai-Michael Schmuck

Website-Relaunch im Sommerloch!? Teil 3 /Ende

(Sie haben es fast überstanden, denn jetzt folgt der 3. und letzte Teil. Übrigens: Wenn es bei Ihnen kein Sommerloch gibt, Glückwunsch! Wenn Sie eins brauchen, basteln sie sich doch einfach eins. Es ist ganz einfach (siehe Anleitung)).

4. Erst die Hose, dann die Schuhe. oder: Der Content einer Webseite ist wichtiger als jede Technik

Mal ganz ehrlich: Niemand, der seine Sinne beisammen hat, würde ein Buchtitel entwerfen, die Buchbindung basteln und den Index schreiben, bevor er das Buch selbst geschrieben hat, oder? Aber genau so arbeiten viele Unternehmen, wenn es um ihre Webseite geht: Erst wird die Architektur der Seite definiert, danach wird ein Texter aufgefordert, die leeren Seiten mit Inhalt zu füllen. Schade!

Aber warum ist das so? Ich denke das liegt daran, dass das Projekt Webseite häufig von den falschen Mitarbeitern gemanagt wird: den Web-Entwicklern. (Bitte keine Drohbriefe, Einlassungen oder Petitionen an den Autor senden: Ich mag Web-Entwickler sehr gern und finde, sie haben in jedem Fall eine wichtige Funktion.) Aber: Der Web-Entwickler hat eine rein technisch geprägte Sicht auf Ihre Webseite. Für ihn geht es ausschliesslich um Navigation und Code. Sie hingegen betrachten Ihre Webseite aus der ganz individuellen Business-Sicht, denn die Webseite soll Ihr Geschäft ankurbeln. So ist das!

Und wenn das so ist, dann kommt der Inhalt zuerst und nicht am Ende. Architektur, Struktur und Design der Webseite richten sich dann nach den Inhalten, die Ihr Geschäft ankurbeln und Interessenten zu Kunden machen sollen.

5. Die Webseite ist nicht über Sie!

Was die wenigsten verstehen, die eine Webseite ihr eigen nennen: Eine Webseite gehört zwar dem Unternehmen, dass sie betreibt, aber sie wurde nicht für die reine Selbstdarstellung entwickelt. Narzissmus ist hier völlig fehl am Platze. Ich erwähne das deshalb, weil die meisten Webauftritte das Internet mit endlosen Seiten «Über uns«, einzigartigen Philosophien, Mission Statements, Methodologien und Visionen überschwemmen. Und das alles nur, weil man sich der Illusion hingibt, sich z. B. durch eine wohlformulierte Unternehmensphilosophie vom Wettbewerb abzuheben.

Wer das wirklich glaubt, dem rate ich zu einem ganz simplen Test: Wählen Sie einen Schlüsselsatz Ihrer Unternehmensphilosophie und lassen Sie Google danach suchen. Schauen Sie auf das Suchergebnis und sagen Sie mir dann, wie einzigartig sie wirklich ist. Im Ernst: Kein Besucher Ihrer Webseite interessiert sich dafür.

Aber wofür interessieren sich Besucher dann? Einfache Antwort: Nur für sich selbst. Und für die eigenen Interessen, Bedürfnisse, Hoffnungen, Träume und Wünsche. Und dann wollen sie wenn möglich auch noch in einer Sprache angesprochen werden, die sie auch verstehen. Wenn Ihre Webseite nicht in der Lage ist, dies alles zu befriedigen oder zu erfüllen, dann können Sie sie auch dicht machen. Klingt hart, ist aber so.

Fazit: Wenn Unternehmen an die eigene Webseite denken, dann denken Sie in der Regel zuerst an Technik. Da will man auf dem neuesten Stand sein – und die allermeisten Seiten sind es auch. Viel wichtiger ist es jedoch, zu begreifen «wie«Menschen (potenzielle Kunden) das Internet heute nutzen, wie sie kommunizieren, wie sie einkaufen, wie sie lernen und wie sie Beziehungen aufbauen. Wie sieht ihr «Digital Footprint« aus – darum geht es.

Wenn man eine Webseite an das Verhalten seiner Zielgruppe im Internet anpasst, dann hat man eine große Chance, die eigene Webseite von einer reinen Webpräsenz zu einem Vertriebsinstrument zu machen, das funktioniert.

Für alles andere benutzen Sie bitte Ihre Visitenkarten.

Beste Grüße

Kai-Michael Schmuck

Website-Relaunch im Sommerloch!? Teil 2

(hier ist der 2. Teil, denn der komplette Beitrag wäre selbst für :redeschwall zu lang. Und das will was heissen …)


3. Was hat Ihr Businessmodell eigentlich zu Ihrer Webseite zu tun?

Eines mal vorab: Seine Unternehmensbroschüre einfach im Web abzubilden ist kein Businessmodell. Es ist der verzweifelte Versuch, zu glauben, dass das, was man zu sagen hat, wichtig genug ist, dass jemand zuhört. Eine irreführende Illusion.

Kurz: Auf Ihrer Webseite geht es nicht darum, was Sie sagen wollen. Sondern wie Sie es schaffen, dass Ihre potenziellen Kunden auf Ihrer Webseite das tun, was sie tun sollen, weil Sie es so wollen. Und dazu ist es unabdingbar, dass Sie das selbst auch wissen. Und glauben Sie mir, wenn Ihrer Webseite nicht Ihr eigenes Businessmodell zugrundeliegt, wissen Sie es nicht.

Ein Businessmodell bestimmt letztendlich, aus welchem Grund ein Kunde Ihre Webseite besuchen soll. Der Einfachheit halber will ich hier generell nur drei Businessmodelle unterscheiden:

  1. Die E-Commerce-Seite – Auf dieser Seiten bieten Sie Kunden Produkte oder Dienstleistungen an, die der Kunde kaufen kann – direkt auf der Seite. Ihre Webseite muss also über ein sehr einfach zu bedienendes  Bestell- und Abrechnungswesen verfügen. Dran denken, es muss vor allem eines sein: es MUSS einfach sein, sonst verliert man den Kunden kurz vor der Bestellung wieder. Geduld hat nämlich niemand im Web. Ausserdem  muss der Käufer in der Lage sein, alle Informationen, die er vor dem Kauf benötigt (Produktbeschreibungen, Kaufempfehlungen, Lieferinformationen etc.), auch wirklich zu bekommen. Sonst wird er nicht kaufen.
  2. Die «Sales«-Seite (outbound) – Auf einer solchen Seite wird getauscht. Und zwar ganz einfach: Sie bieten einem Besucher Informationen zum Download an (z. B. ein Webinar, Whitepaper oder einen eNewsletter), der wiederum muss sich im Gegenzug registrieren und seine Kontaktdaten (Name, Firma, E-Mailadresse) hinterlassen, um die Sachen zu bekommen. Die so gesammelten Daten leitet man entweder direkt an das eigene Sales-Team weiter oder aber in ein Leadmanagement System, wo sie weiter gepflegt werden können. So einfach ist das. Und … mehr muss auch nicht drauf auf die Seite.
  3. Die «Marketing«-Seite (inbound) – Diese Seite ist komplett gefüllt mit wertvollen Informationen, die für die von Ihnen adressierte Zielgruppe irgendwie von Belangen ist. In erster Linie ist das Ziel, Sie und Ihr Unternehmen zur Anlaufstelle von wichtigen Informationen zu machen. Ihre Vertrauenswürdigkeit steigt und potentielle Kunden nehmen Sie so ganz nebenbei als Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen wahr. Sie kommen auf die sogenannte Short-List Ihrer Interessenten kommt. Klingt aufregend – heisst aber auch, dass Sie in der Lage sein müssen, Ihre Webseite mit wirklich wertvollem Inhalt zu befüllen. Und zwar permanent, ständig. Sonst wird es nicht funktionieren. Kleiner Hinweis: Dass Sie eine Auszeichnung für die regelmässige Teilnahme an der Truppenverpflegung bekommen haben, ist allenfalls lustig – aber eben nicht wertvoll.

Es geht hier nicht darum, ob das eine Businessmodell erfolgreicher ist als das andere. Aber eines ist sicher: Eine Webseite MUSS das Businessmodell wiedergeben, auf das Ihr Unternehmen basiert. Denn nur dann funktioniert die Schnittstelle zwischen Ihrem Geschäft und Ihren Kunden. Wer glaubt, mit Content Besucher dazu zu bewegen, sich zu registrieren, um Leads (Interessenten ) zu generieren und das Businessmodell passend dazu betreibt, bitteschön. Wer hingegen denkt, durch Content, der völlig ohne Gegenleistung (sprich: Registrierung) zu konsumieren ist, sich und sein Unternehmen als DIE Anlaufstelle im Netz für wie auch immer geartete Information darstellen kann, und so im Nachgang seinen Verkauf erhöht – auch gut. Aber klappen wird das nur, wenn das Businessmodell dahinter steht, dass Sie betreiben.

(Ende Teil 2. Teil 3. bringt dann den Rest. Dann haben wir es auch schon geschafft.)

Beste Grüsse

Kai-Michael Schmuck

Website-Relaunch im Sommerloch!? Teil 1

oder: Fünf Dinge, an die man denken sollte, wenn man an seine Webseite denkt

Was verbindet man mit Sommer? Richtig. Urlaub, Sonne, Strand, Meer. Und mit dem Sommerloch, von dem viele behaupten, dass es das immer noch geben würde. Viele Unternehmen nutzen das Sommerloch, um sich auf neue Dinge vorzubereiten, Vorkehrungen zu treffen, wenn es wieder los geht. Mit dem Business und so. Man will ja nicht untätig sein.

Und wahrscheinlich liegt es daran, dass gerade in der Sommerzeit viele Unternehmen darüber nachdenken, Ihren Webauftritt zu überdenken, zu justieren und gegebenenfalls zu relaunchen. Warum? Weil sie ihre Webseite endlich einmal dazu nutzen wollen, in Kontakt mit ihrer Zielgruppe zu kommen. Und zwar so, dass endlich auch mal ein Geschäft dabei herausspringt. Cash ist das Stichwort.

So getrieben, scheint es mir aber, dass viele, die sich damit beschäftigen, nicht den blassesten Hauch einer Ahnung von den fundamentalsten Dingen haben, die eine Webseite zu einer erfolgreichen Webseite machen. Damit sind nicht die einzelnen Disziplinen gemeint wie Design, Programmierung oder Text und Content – nein, darum geht es nicht. Das, was eine gute Webseite ausmacht, erkennt man nicht auf den ersten Blick, aber schon an der ganzen Herangehensweise. Klingt kompliziert, ist es aber nicht.

Deshalb hier fünf Dinge, an die man denken sollte, bevor man seine Webseite relauncht (oder eine neue in Angriff nimmt):

1. Achten Sie nicht auf Ihren Wettbewerb. Sondern auf Ihre Kunden.
Klar, was immer man tut, man sollte immer auf die Konkurrenz achten. Aber viele Unternehmen richten ihre ganze Webseite darauf aus. Eigentlich ein Kardinal-Fehler, denn ohne überhaupt zu wissen, ob die andere Site erfolgreich ist, wie kann man da wissen, welche Teile man übernimmt und welche nicht? Und wie oft ist es schon passiert, dass neue kreative und auch lukrative Ideen schon im Keim erstickt werden, nur weil die Konkurrenz «das auch nicht macht«? Zu viele, das ist mal sicher. Und damit vergibt man in jedem Fall Chancen. Zum Beispiel die Chance, etwas zu tun, was andere übersehen haben, etwas, das den eigenen Auftritt zu dem macht, was man in der Kommunikation immer sein will: einzigartig. Es lohnt sich deshalb, anstatt auf die Konkurrenz auf seine Kunden zu schauen – und zwar sehr genau. Wie kaufen Sie ein? Woher bekommen sie ihre Informationen und wo suchen sie nach dem, was sie kaufen wollen? Welche Informationen brauchen sie, bevor der Kaufreiz ausgelöst wird – oder sie zumindest Interesse zeigen? Wo «leben« ihre Kunden – und zwar nicht nur im realen Leben, sondern auch in ihrem online-Leben? Welche Informationsquellen (traditionell oder online) nutzen sie? Welchen Bloggs folgen sie? Facebook, Twitter und Co. – wie aktiv gehen ihre Kunden damit um?

2. Ihre Webseite ist viel mehr als nur Ihre Webseite.

Klar ist, Ihre Webseite ist nur eine von sehr vielen Quellen, die Ihre Kunden benutzen, um sich über Ihr Unternehmen, Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung zu informieren. Die Leute reden – in Blogs, Foren, Chatrooms, Communities, einfach überall. Und was sie da reden über Sie und Ihr Produkt, ist mindestens genauso entscheidend, wie das, was auf Ihrer Webseite darüber steht. Und wahrscheinlich sogar noch entscheidender.

Das kann Ihnen prinzipiell egal sein, wo die Leute reden. Und den meisten Unternehmen ist das auch völlig Wurscht. Aber Ihren Kunden ist das nicht egal.

Wie gehen Sie auf Ihrer Webseite mit diesen Quellen um? Wissen Sie, was dort über Sie geredet wird – und wenn, wie reagieren und antworten Sie darauf? Wie schaffen Sie es, diese Quellen auf Ihre Webseite zu integrieren? Sind Sie in der Lage, eigene Inhalte zu kreieren, die in diesen Foren etwas bewirken können? Schaffen Sie es, Traffic von dort zurück auf Ihre Webseite zu erzeugen? Sind Sie in der Lage, Kontakte zu Meinungsbildern Ihrer Branche zu knüpfen, sie zu pflegen und für Ihr Business zu nutzen?

Egal, wie Sie vorgehen, denken Sie daran: Ihre Webseite ist keine Insel, im Gegenteil. Es ist die Anlaufstelle, die erst genutzt wird, wenn die Botschaft da draussen bereits angekommen ist. Und wenn Sie Glück haben, dann war das Ihre Botschaft da draussen.

(So, das wird mir hier zu lang, ein richtiger :redeschwall! Deshalb gibts den Rest ja auch im im nächsten Blog.)

So weit, so gut.

Es grüßt.

Kai-Michael Schmuck