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Paul, der Oktopus – keine Ahnung, aber auf Spanien tippen!

Er hat es wieder getan: Paul, der  Krake aus Oberhausen, hat ein Deutschlandspiel der WM getippt. Diesmal gegen Spanien. Bisher hat der Gute ja immer richtig gelegen. (ok, nicht immer, beim EM-Finale gegen Spanien tippte er auf die deutsche Elf und lag, wie wir wissen, daneben.) Aber sei’s drum. Diesmal hat der Achtarmige Spanien als Sieger gesehen. Das bedeutet, dem Fachmann erzähl ich nichts neues, das Spanien ins Finale kommt. Gut, dann wissen wir das auch.

Mir fallen dazu drei Dinge ein.

1. Jetzt wissen wir, warum in Tipprunden immer die gewinnen, die so gar keine Ahnung vom Fussball haben. Denn wenn ein Mitglied der Teilgruppe der Achtarmigen Tintenfische (Vampyropoda) nahezu jedes Ergebnis richtig tippt, dann wundert es auch nicht mehr, dass die Apothekerswitwe aus Meerbusch, sonst eher mit Fingerfarben auf der Suche nach sich selbst, bei der Tipprunde einsam führt. Ahnung von etwas zu haben, ist eben doch eher Luxus.

2. Tierschutz? Hallo!?!? Wir haben Terre des hommes. Wir haben Ärzte gegen den Atomkrieg. Wer schreitet eigentlich ein, wenn ein paar Durchgeknallte einen armen Kraken mit Muschelfleisch dazu zwingen, Ergebnisse von Fussballspielen zu  raten? Noch dazu so hochsensible WM-Spiele. Wie das gegen Argentinien. Die reagierten denn ja auch gleich empört und setzten gleich die geballte argentinische Tierwelt auf Paul an. Delfin Sayko, Seehund Macky, Schildkröte Jorge, Papagei Paco und die Promenadenmischung Clarito. Macht 5:1 für Argentinien. Na, jedenfalls stimmte die Tordifferenz. Nur andersrum.

Und 3. So funktionieren Kampagnen. Offensichtlich muss man nur abgedreht genug sein. Das ganze Gewese um diesen Kraken Paul ist ein Paradebeispiel für Kommunikation und deshalb in aller Munde, weil hier zwei Dinge zusammenkommen: Aktualität (nämlich die Fussball-WM als Top-Thema des Sommers) zieht immer. Medien stürzen sich auf das Tier, als ob man das Sommerloch auf ewig zuschütten wollte und allein in Google kommen wir in 0,3 Sekunden auf 2,1 Mio. Einträge. Da wird selbst Knut Eisbär blass (105.000 Ergebnisse, 0,25 Sekunden) blass.

Und dann wäre da noch die Sehnsucht nach dem Absonderlichen. Mal ehrlich: Tintenfische tippen keine WM-Spiele, sondern werden gegessen – mit Knoblauch, Frühlingszwiebeln, 4 EL Olivenöl Wein (weiss), Essig (wenig), Salz und Zucker (hier das ganze Rezept). Wenn Jörg Schönenborn, Chef-Zähler der ARD, die Ergebnisse getippt hätte, kein Mensch hätte auch nur kurz aufgeblickt – und der Mann hat auch keine Ahnung von Fussball. Zumindest nehme ich das an. Aber ein Tintenfisch?!

Also, wer für Aufsehen sorgen will, mit was auch immer, sollte das beherzigen: schräge muss es sein und aktuell. Dann klappt es.

Das  nur mal als kleiner Hinweis mit den besten Grüßen von

Kai-Michael Schmuck